MMM - die 3 M für den guten Gitarrenlehrer


Was macht einen guten Gitarrenlehrer aus? Für mich stehen hier 3 M. Das erste M für den Menschen, das zweite M für den Musiker und das dritte M für den Musikpädagogen.  

Bildung ist keine reine Lernstoffvermittlung. Wenn Politiker oder Unternehmer von Bildung sprechen, meinen sie meistens die Qualifikation zu bestimmter geldwerter Tätigkeit. Bildung kommt jedoch nicht ohne Erziehung und ohne Beziehung aus. Der privat tätige Musiklehrer wird als Bildungsdienstleister wahrgenommen. Von ihm würde man am wenigsten eine persönliche Beziehung zu seinen Schülern erwarten, weit weniger als z.B. von einem Schullehrer mit staatlichem Bildungsauftrag. 

Ich denke aber, dass das erste M, das für Mensch steht, von den Schülern am meisten nachgefragt wird. Gerade weil der meiste Instrumentalunterricht im Einzelunterricht stattfindet, sucht man nach einem sympathischen, umgänglichen und freundlichen Lehrer. Wenn er überdies noch unterhaltsam und humorvoll ist, braucht er in der Probestunde die Gitarre gar nicht raus zu holen - es ist dem Schüler nämlich erstmal egal, wie gut der sympathische Lehrer spielen kann. Er möchte sich wohl und entspannt fühlen. Viele Schüler sind am Beginn der Ausbildung sehr unsicher, ob sie denn wirklich zum Gitarrelernen geeignet sind, ob das was für sie ist usw.. Eine entspannte Atmosphäre befreit sie ein Stück weit von diesem Druck. 

Erst in zweiter Instanz interessiert sich ein Schüler für die Qualifikation des Lehrers. Und diese macht er als erstes an dem fest, was er vom Lehrer hört - das M für den Musiker. Hier fliegen dem Musikanten die Herzen des Publikums zu. Nicht dem selbstverliebten Virtuosen. Wenige Töne reichen auch dem Laien aus, um zu hören, ob da ein Profi am Werk ist oder nicht. Ein ganz normaler Schüler hat kaum die Gelegenheit, einem halbwegs guten Gitarristen zuzuhören und ist deswegen relativ leicht zu beeindrucken. Ein Musikant wirkt einladend und motivierend. Er kann den Spaß an der Musik vermitteln und lenkt ab von dem Ernst, der den Schüler eh viel mehr beschäftigt als den Lehrer. Auch hier bevorzugen die Schüler also das krampflösende Mittel - den singenden Alleinunterhalter, den Spaßmacher, den Praktiker. Der bierernste Gitarre-ist-schwer-und-brotlos-Musikpädagoge hat es da schwerer. 

Wovon der Schüler überhaupt keine Ahnung haben kann, ist die Musikpädagogik. Die Wirksamkeit der Mittel des Lehrers ist reine Vertrauenssache, die sich dummerweise aus den ersten beiden M's von selber ergibt. Das ist sicher bisschen schade, denn ich persönlich halte die Langzeit-Erfahrung mit möglichst vielen Schülern für einen ganz wesentlichen Faktor der Professionalisierung und demzufolge das letzte M (für Musikpädagoge) als das für den Schüler wertvollste. Wenngleich es der Schüler kaum einschätzen und vergleichen kann. Ein introvertierter, musikalisch hölzerner Typ kann mit den richtigen Methoden ein richtig guter Lehrer sein. 
Stellen Sie sich einen Arzt vor, der als Mensch schrecklich ist, der aber eine Therapie hat, die sie gesund macht. Gerade bei Medizinern möchte man meinen, dass Sympathie und Kompetenz miteinander verbunden sind. Genauso aber kann Inkompetenz mit menschlich anziehenden Qualitäten getarnt werden, oder auch Geschäftsgebaren mit außerordentlicher Freundlichkeit usw.. 

Alle drei M's gehören zusammen, sie werden nur vom Schüler in entgegengesetzter Reihenfolge bewertet wie vom Gutachter. 
Ein Schüler kann sich in 3 Jahren Gitarrenunterricht richtig wohl fühlen und dann feststellen, dass er trotz Sympathie zu einem guten Musiker nicht weit gekommen ist. Oder noch viel häufiger und schlimmer: Gewisse Mängel und Fehler in der Musikpädagogik seines Lehrers kann er nicht erkennen, und sucht die Schuld bei sich ("Ich bin untalentiert"). Oder der sympathische Lehrer forciert am Ende Frust ("Du musst mehr üben"). Umgekehrt kann sich ein anfangs etwas anstrengendes Verhältnis zum Lehrer stetig mit dem Erfolg und dem Spaß am Können verbessern. 

Ich habe mal gelesen, dass das Verhältnis zum Psychotherapeuten der wichtigste Faktor für den Erfolg der Therapie ist. Im gleichen Artikel allerdings las ich, dass die Wirkung bestimmter Therapien und Ansätze nicht nachgewiesen werden konnte. Ein passender Therapeut kann am Ende also mit einer unpassenden Therapie genauso erfolgreich sein wie ein unpassender Therapeut mit einer passenden Therapie. So in etwa scheint es auch im Gitarrenunterricht zu sein. Ein Placebo-Effekt sozusagen, der entsteht, wenn sich der Schüler mit Hilfe der entsprechenden menschlichen Anregung selber über die mangelnde Wirksamkeit des Lehrerkonzeptes hinweg hilft. 
Am Ende scheinen also in der Praxis alle M's das gleiche Gewicht zu haben.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen